Obsidian mit KI: Ein Second Brain aufbauen, das Claude nutzen kann
Obsidian mit KI zu nutzen heißt: Ihre Notizen liegen als Markdown-Dateien in einem Ordner, und eine KI wie Claude liest und schreibt direkt darin. Die KI kennt dadurch Ihr Wissen und Ihre Regeln, und Sie müssen nicht bei jeder Frage Texte in den Chat kopieren.
Diese Anleitung zeigt, wie Sie einen Obsidian-Vault so aufbauen, dass eine KI damit arbeiten kann. Sie vergleicht drei Wege, Claude anzubinden, erklärt die Regeldatei und sagt ehrlich, wo das Ganze für eine Person funktioniert und im Team an Grenzen kommt. Obsidian ist dabei an kein Sprachmodell gebunden. Es funktioniert mit jedem, Claude ist eines davon. Bei AllBytes läuft ein Second Brain auf dieser Grundlage seit April 2026 täglich.
Warum Markdown-Dateien für KI besser taugen als Apps mit eigenem Format
Obsidian speichert jede Notiz als einfache Textdatei im Markdown-Format. Der Ordner, in dem diese Dateien liegen, heißt Vault. Sie können ihn mit jedem Editor öffnen, kopieren und sichern.
Für eine KI hat das drei praktische Folgen:
Sie liest ohne Umweg.
Ein Sprachmodell versteht Markdown direkt. Es braucht keinen Export und keine Schnittstelle zu einer Notiz-App.
Sie kann schreiben.
Wenn die KI Dateien anlegen oder ändern darf, kann sie Notizen ergänzen, zusammenfassen oder verknüpfen.
Sie sehen, was passiert ist.
Liegt der Vault in einem Git-Repository, zeigt jede Änderung der KI als Commit, was sie wann geschrieben hat. Sie können sie zurücknehmen.
Apps mit eigenem Datenformat oder reiner Cloud-Speicherung bieten diesen direkten Zugriff meist nicht. Dort bleibt oft nur der Export oder eine Schnittstelle des Anbieters.
Eine Ordnerstruktur, die eine KI versteht
Die KI sieht Ihren Vault als Ordner mit Dateien. Sie findet sich zurecht, wenn die Struktur Hinweise gibt, was wohin gehört. Dafür reichen wenige Regeln:
- 1
Ordner nach Zweck benennen.
Zum Beispiel
Kontext,Projekte,Ressourcen,Archiv. Die Namen sagen der KI, was sie in einem Ordner erwarten kann. - 2
Pro Ordner eine Art von Inhalt.
Wer Entscheidungen, Rohnotizen und fertige Texte mischt, macht es der KI genauso schwer wie sich selbst.
- 3
Notizen verlinken.
Obsidian arbeitet mit Wikilinks in doppelten eckigen Klammern. Ein Link von einer Projektnotiz auf eine Personen- oder Themennotiz zeigt der KI, was zusammengehört.
- 4
Kopfdaten pflegen.
Ein kurzer Block am Anfang jeder Notiz mit Schlagworten, Status und Datum hilft beim Filtern. Daran erkennt die KI, was aktuell ist.
- 5
Dateinamen in normaler Sprache.
Ein Name wie „Angebot Vorlage 2026“ sagt mehr als „doc_final_2“.
So sieht die oberste Ebene unseres Vaults aus. Die Ordner Projekte, Bereiche, Ressourcen und Archiv folgen der PARA-Methode von Tiago Forte, die Nummern halten die Reihenfolge fest:
- CLAUDE.mdRegeldatei: Aufbau, Schreibweisen, Grundregeln
- .claude/skills/wiederkehrende Abläufe als Skills
- 00 Kontext/wer wir sind, wie wir schreiben, für wen
- 01 Inbox/schnelle Gedanken, noch ohne festen Platz
- 02 Projekte/aktive Projekte mit Ziel, je Projekt eine Datei
- 03 Bereiche/laufende Verantwortung ohne Enddatum, Kontakte, Firmen
- 04 Ressourcen/Referenzwissen, je Thema ein Ordner
- 05 Daily Notes/Tagesprotokoll, eine Datei je Tag
- 06 Archiv/Abgeschlossenes, weiter durchsuchbar
- 07 Anhänge/Bilder und PDFs
- 08 Clippings/Webseiten, die noch verarbeitet werden
- 99 Geteilt/geteilte Ablagen für Firma und Projekte, je ein eigenes Git-Repository
Neue Notizen ohne klaren Platz landen in der Inbox. Erst beim Verarbeiten entscheidet sich, wohin sie gehören.
Obsidian mit Claude verbinden: drei Wege im Vergleich
Es gibt drei gängige Wege, einer KI Zugriff auf einen Vault zu geben. Sie unterscheiden sich darin, wie viel die KI selbst lesen und ändern darf.
So funktioniert es
Sie starten Claude Code im Ordner des Vaults. Es liest und schreibt die Dateien direkt.
Aufwand
mittel, ein Terminal wird gebraucht
Die KI sieht
den ganzen Ordner
Die KI kann ändern
ja, mit Ihrer Freigabe je Schritt oder per Regel
Geeignet für
tägliche Arbeit mit dem ganzen Vault
Dateien hochladen ist der einfachste Einstieg. Sie wählen Notizen aus und geben sie Claude als Kontext mit. Der Nachteil: Sie müssen jedes Mal auswählen, und die KI sieht den Rest nicht.
Claude Code im Vault-Ordner ist der Weg mit dem größten Nutzen. Claude Code ist ein Werkzeug von Anthropic, das im Terminal läuft und mit Dateien in einem Ordner arbeitet. Es liest die Regeldatei, durchsucht den Vault und legt Notizen an. Bei AllBytes arbeiten wir oft so. Der Vault selbst bleibt dabei offen für andere Sprachmodelle und Werkzeuge.
Die Anbindung an die offene App über Plugins oder MCP-Server von Drittanbietern lohnt sich, wenn Sie in Obsidian bleiben und trotzdem aus der App heraus mit der KI sprechen wollen. Die Qualität schwankt je nach Plugin. Prüfen Sie vor der Installation, wer es pflegt und welche Daten es wohin schickt.
Unsere Empfehlung für den Einstieg: Beginnen Sie mit zehn bis zwanzig Notizen zu einem Thema und laden Sie sie hoch. Wenn Sie merken, dass die KI mit mehr Zusammenhang besser antwortet, ziehen Sie auf Claude Code im Vault-Ordner um.
Regeln und Kontext: Wie die KI weiß, was gilt
Ein Vault allein sagt der KI nicht, wie Sie arbeiten. Dafür gibt es die Regeldatei. Bei Claude Code heißt sie CLAUDE.md und liegt im Hauptordner des Vaults. Claude liest sie zu Beginn jeder Session.
Was hineingehört:
Aufbau des Vaults.
Welche Ordner es gibt und wofür sie da sind.
Schreibweisen.
Wie Notizen heißen, wie Links gesetzt werden, welche Kopfdaten gelten.
Grundregeln.
Was die KI nie tun darf, zum Beispiel keine Zugangsdaten in Notizen schreiben oder keine Dateien löschen.
Verweise auf Kontextdateien.
Schreibstil, Zielgruppe, Angebote. Diese Dateien muss die KI kennen, bevor sie etwas formuliert.
Zwei Absätze reichen für den Anfang. Wenn die KI etwas falsch macht, ergänzen Sie die Regel und beheben so die Ursache. Das Zusammenspiel aus Regeldatei, Kontextdateien und Vault nennt man Kontextmanagement. Wie KI-Agenten damit arbeiten, beschreiben wir im Beitrag zu KI-Agenten im Unternehmen. Soll die KI das Wissen selbst schreiben und aktuell halten, passt das Muster aus unserem Ratgeber LLM Wiki erklärt.
In unserer Regeldatei haben sich vor allem vier Regeln bewährt. Bei Zahlen, Zusagen und Terminen schreibt die KI die Quelle mit Datum dazu. Widersprechen sich zwei Quellen, hält sie beide fest, statt sie zu einer glatten Fassung zu verschmelzen. Vor dem Löschen fragt sie nach. Zugangsdaten kommen nie in eine Notiz.
Eine Regel kam erst nach einem Fehler dazu: Schon ein Dateiname verrät etwas. In unseren geteilten Ablagen lagen anfangs Verweise auf den privaten Vault, und schon die Namen der verlinkten Notizen ließen Rückschlüsse zu. Seitdem prüft die KI Verweise, bevor etwas geteilt wird.
Wiederkehrende Abläufe stehen bei uns nicht in der Regeldatei, sondern in Skills. Ein Ablauf gehört in genau einen Skill, sonst laufen zwei Beschreibungen mit der Zeit auseinander.
„Am Ende zählt nur, welchen Kontext eine Aufgabe braucht und welcher Skill ihn bearbeitet.“
Daniel LeuverinkAllBytesGrenzen: Was bei einer Person funktioniert und im Team nicht
Für eine Person ist dieser Aufbau stimmig. Sie sind die einzige Leserin und der einzige Leser, die KI sieht alles, und es gibt nichts zu regeln.
Sobald ein Team mit demselben Vault arbeitet, ändert sich die Lage. Die KI kann alles finden, auch Material, das nie jemand sauber einsortiert hat. Offen bleibt, wer welche Information bekommen darf. Es ist eine Berechtigungsfrage, keine Suchfrage. Ein Vault mit Gehaltsdaten, Kundenakten und Projektnotizen in einem Ordner gibt der KI und jedem, der mit ihr arbeitet, Zugriff auf alles.
Darum braucht ein Team mehr als einen gemeinsamen Ordner:
Geteilte und private Bereiche.
Jede Person hat einen eigenen Vault für Entwürfe und Persönliches. Daneben gibt es eine gemeinsame Ablage für das, was alle brauchen.
Rechte an der Ablage.
Liegt der gemeinsame Vault in Git, regeln Sie Lesen und Schreiben über die Rechte des Repositorys.
Klare Regeln für die KI.
Die Regeldatei legt fest, welche Bereiche sie lesen und beschreiben darf.
Bei AllBytes hat deshalb jeder einen privaten Vault. Dazu kommen ein Firmen-Vault für alle und Projekt-Vaults nur für die Menschen, die an einem Projekt arbeiten. Mehr zum Vorgehen in Unternehmen steht im Beitrag Firmenwissen mit einem Second Brain bündeln.
Bei uns läuft das seit Ende April 2026 jeden Tag. Der Vault umfasst heute 1.246 Notizen. Morgens erstellt die KI ein Briefing aus Kalender, Aufgaben und Mails, abends schreibt sie das Tagesprotokoll. Größere Themen laufen in eigenen Arbeitssessions, mittlerweile sind oft fünf bis sechs gleichzeitig offen. Das hat zwei Gründe. Die Vault-Session bleibt frei, und ich blockiere mich nicht selbst. Und ein Projekt bringt seinen eigenen Kontext mit, den die Vault-Session nicht braucht.
Grenzen gibt es auch. Die KI arbeitet schnell, aber nicht fehlerfrei. Einmal zeigte das Morgenbriefing Erledigtes als offen. Deshalb lesen wir gegen, was sie zusammenfasst, bevor wir darauf handeln.
Häufige Fragen zu Obsidian und KI
Brauche ich Plugins, um Obsidian mit KI zu nutzen?
Nein. Für Claude Code im Vault-Ordner brauchen Sie kein Plugin, weil der Vault aus normalen Dateien besteht. Plugins brauchen Sie nur, wenn die KI aus der Obsidian-App heraus angesprochen werden soll.
Wie steht es um den Datenschutz?
Alles, was die KI liest, geht an den Anbieter des Sprachmodells. Legen Sie fest, welche Bereiche des Vaults die KI sehen darf, und halten Sie personenbezogene Daten und Vertrauliches aus diesen Bereichen heraus. Für Unternehmen kommen Auftragsverarbeitung und die Wahl des Modells dazu. Mehr dazu im Beitrag zu DSGVO-konformer KI.
Was kostet das?
Obsidian ist seit Februar 2025 für alle Zwecke kostenlos, auch im Unternehmen. Eine Commercial License gibt es weiterhin, sie ist freiwillig und unterstützt die Entwicklung (Lizenzbedingungen von Obsidian). Claude Code ist im kostenlosen Claude-Plan nicht enthalten. Sie brauchen ein kostenpflichtiges Abo ab Pro oder einen API-Zugang über die Anthropic Console (Preise bei Anthropic). Die aktuellen Preise prüfen Sie bitte direkt bei den Anbietern.
Welche Obsidian-Funktionen helfen der KI am meisten?
Wikilinks, Kopfdaten und eine klare Ordnerstruktur. Mehr braucht es für den Anfang nicht.
Funktioniert das auch mit anderen KI-Modellen als Claude?
Ja. Markdown-Dateien kann jedes Sprachmodell lesen, und Obsidian lässt sich mit jedem Sprachmodell betreiben. Wie bequem der Zugriff auf den Ordner ist, hängt vom Werkzeug ab. Diese Anleitung zeigt den Weg mit Claude.
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