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Second Brain Leitfaden

Obsidian und Claude Code: Ein Second Brain Schritt für Schritt aufbauen

Ein Second Brain mit Obsidian und Claude Code besteht aus drei Teilen: einem Obsidian-Vault mit Markdown-Dateien, einer Regeldatei, die Claude vor jeder Arbeit liest, und einer festen Arbeitsroutine. Claude liest und schreibt dann direkt in Ihren Notizen, und Sie müssen keine Texte mehr in einen Chat kopieren.

Daniel LeuverinkDaniel LeuverinkStrategic Architect bei AllBytesStand: November 202610 Min. Lesezeit

Diese Anleitung zeigt in drei Schritten, wie Sie das selbst aufbauen: eine Ordnerstruktur zum Abschreiben, eine Beispiel-Regeldatei und den ersten Arbeitstag. Sie stammt aus unserem Alltag. Bei AllBytes läuft ein Second Brain auf dieser Grundlage seit April 2026 täglich, inzwischen seit rund acht Monaten. Vorab klärt ein kurzer Abschnitt, wann statt Claude Code auch Claude Projekte genügen. Am Ende steht, was mit der Größe des Systems wächst und wo ein privates Second Brain aufhört. Die Grundlagen zum Begriff erklärt der Leitfaden Second Brain mit KI.

In diesem Beitrag

  • Claude Code oder Claude Projekte? Was wann Sinn macht
  • Was Sie brauchen und was es kostet
  • Schritt 1: Eine Ordnerstruktur, die eine KI lesen kann
  • Schritt 2: Die Regeldatei, die Claude vor jeder Arbeit liest
  • Schritt 3: Der erste Arbeitstag
  • Was mit der Größe wächst
  • Wo das private Second Brain aufhört
  • Häufige Fragen zu Obsidian, Claude Code und Daten

Claude Code oder Claude Projekte? Was wann Sinn macht

Claude Projekte sind der schnellste Einstieg: Sie legen im Browser ein Projekt an, laden Dokumente hoch und schreiben Anweisungen. Claude Code mit Ordnern ist der Weg dieser Anleitung. Der Unterschied liegt darin, wer das Wissen pflegt und wo es liegt.

Einstieg

Installation und Terminal

Wissen

Alles liegt als Dateien bei Ihnen, Claude schreibt und pflegt selbst mit

Teilen

Rechte je Vault, siehe Second Brain im Unternehmen

Anbindung

Mail, Kalender und Aufgaben, dazu Routinen und Agenten

Die Angaben zu Claude Projekten stammen aus dem Claude Help Center von Anthropic (Stand 3. November 2026): Was sind Projekte? und Sichtbarkeit und Teilen. Eigene Rechte für einzelne Dateien innerhalb eines Projekts nennen die Seiten nicht.

Bei AllBytes lassen wir die KI von Anfang an auf lokale Ordner schreiben, und das trägt bis heute. Claude Projekte nutzen wir praktisch nicht. Sie sind eine Möglichkeit, wenn Sie Claude Code nicht verwenden wollen, und für eine überschaubare Wissenssammlung ein sinnvoller Start.

Was Sie brauchen und was es kostet

Für den Anfang genügen drei Dinge:

  • Obsidian.

    Die Notiz-App ist seit Februar 2025 für alle Zwecke kostenlos, auch im Unternehmen. Eine Commercial License gibt es weiterhin, sie ist freiwillig (Lizenzbedingungen von Obsidian).

  • Claude Code.

    Das Werkzeug von Anthropic läuft im Terminal und arbeitet mit den Dateien eines Ordners. Sie brauchen dafür ein kostenpflichtiges Claude-Abo (Pro, Max, Team oder Enterprise) oder ein Konto in der Claude Console mit Guthaben für den API-Zugang. Im kostenlosen Plan ist Claude Code nicht enthalten. Die aktuellen Preise stehen bei Anthropic.

  • Ein Terminal.

    Das ist das Textfenster, in dem Sie Befehle eingeben. Unter Windows heißt es PowerShell, auf dem Mac „Terminal“.

Die Installation besteht aus einem Befehl. Unter macOS, Linux und WSL lautet er:

curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash

In der Windows PowerShell:

irm https://claude.ai/install.ps1 | iex

Danach öffnen Sie ein neues Terminalfenster und prüfen mit claude --version, ob die Installation geklappt hat. Beim ersten Start meldet sich Claude Code mit Ihrem Konto an. Die Schritte stehen in der Schnellstart-Anleitung von Anthropic (Stand 3. November 2026). Wer noch nie ein Terminal benutzt hat, findet dort auch eine Terminal-Anleitung.

Zum Schluss legen Sie in Obsidian einen neuen, leeren Vault an. Ein Vault ist der Ordner, in dem Ihre Notizen als Markdown-Dateien liegen.

Schritt 1: Eine Ordnerstruktur, die eine KI lesen kann

Claude sieht Ihren Vault als Ordner mit Dateien. Es findet sich zurecht, wenn die Namen sagen, was wohin gehört. Für den Start reichen sechs Ordner und eine Regeldatei:

Vault/
  • CLAUDE.mdRegeldatei
  • 00 Kontext/wer Sie sind, wie Sie schreiben
  • 01 Inbox/neue Gedanken ohne festen Platz
  • 02 Projekte/eine Datei je Projekt
  • 03 Wissen/Nachschlagewissen, je Thema ein Ordner
  • 04 Tagesnotizen/eine Datei je Tag
  • 05 Archiv/Abgeschlossenes

Die Nummern halten die Reihenfolge fest. Neue Notizen ohne klaren Platz landen in der Inbox. Erst beim Verarbeiten entscheidet sich, wohin sie gehören. Unsere eigene, größere Struktur zeigt der Ratgeber Obsidian mit KI nutzen.

Vier Gewohnheiten machen den Vault für Claude lesbar:

  1. 01

    Pro Ordner eine Art von Inhalt.

    Wer Entscheidungen, Rohnotizen und fertige Texte mischt, macht es der KI genauso schwer wie sich selbst.

  2. 02

    Dateinamen in normaler Sprache.

    „Angebot Vorlage 2026“ sagt mehr als „doc_final_2“.

  3. 03

    Kopfdaten am Anfang jeder Notiz.

    Ein kurzer Block mit Schlagworten, Status und Datum zeigt, was aktuell ist:

---
tags: [projekt]
status: aktiv
date: 2026-11-03
---
  1. 04

    Notizen verlinken.

    Obsidian nutzt Links in doppelten eckigen Klammern, sogenannte Wikilinks. Ein Link von einer Projektnotiz auf eine Themennotiz zeigt Claude, was zusammengehört.

Legen Sie den Vault außerdem in ein Git-Repository (im Ordner git init). Dann zeigt jede Änderung von Claude als Commit, was sie wann geschrieben hat, und Sie können sie zurücknehmen.

Schritt 2: Die Regeldatei, die Claude vor jeder Arbeit liest

Ein Vault allein sagt Claude nicht, wie Sie arbeiten. Dafür gibt es die Regeldatei. Sie heißt CLAUDE.md und liegt im Hauptordner des Vaults. Claude Code liest sie laut Anthropic zu Beginn jeder Session. Mit dem Befehl /context sehen Sie, ob die Datei geladen wurde.

Unser Beispiel ist für den Einstieg verkürzt. Die vier Grundregeln stammen aus unserer eigenen Regeldatei:

# Regeldatei

## Aufbau
- 00 Kontext: wer ich bin, wie ich schreibe
- 01 Inbox: neue Notizen ohne festen Platz
- 02 Projekte: eine Datei je Projekt
- 03 Wissen: Nachschlagewissen, je Thema ein Ordner
- 04 Tagesnotizen: eine Datei je Tag, Name JJJJ-MM-TT
- 05 Archiv: Abgeschlossenes, nie löschen

## Schreibweisen
- Dateinamen in normaler Sprache, ohne Kürzel.
- Jede Notiz beginnt mit Kopfdaten: tags, status, date.
- Verweise als [[Wikilinks]].

## Grundregeln
- Bei Zahlen, Zusagen und Terminen die Quelle mit Datum notieren.
- Widersprechen sich zwei Quellen, beide festhalten.
- Vor dem Löschen oder Verschieben nachfragen.
- Zugangsdaten kommen nie in eine Notiz.

## Vor jeder Aufgabe lesen
- 00 Kontext/Über mich.md

Zu den vier Grundregeln gehört je ein Grund. Die Quelle mit Datum macht eine Zusage später überprüfbar. Zwei widersprüchliche Quellen festzuhalten verhindert, dass die KI daraus eine glatte Fassung baut, die niemand so gesagt hat. Das Nachfragen vor dem Löschen schützt vor Verlusten, und Zugangsdaten gehören in einen Passwortmanager.

Zwei Hinweise aus der Praxis:

  • Halten Sie die Datei kurz und konkret.

    Claude behandelt sie als Kontext und nicht als feste Einstellung. Anthropic empfiehlt unter 200 Zeilen und Regeln, die sich überprüfen lassen. Macht Claude etwas falsch, ergänzen Sie die Regel und beheben so die Ursache.

  • Wiederkehrende Abläufe gehören in Skills.

    Ein Skill ist eine eigene Anleitung für einen Ablauf, zum Beispiel für das Tagesprotokoll. Ein Ablauf steht in genau einem Skill, sonst laufen zwei Beschreibungen mit der Zeit auseinander.

Schritt 3: Der erste Arbeitstag

Öffnen Sie das Terminal im Ordner Ihres Vaults und starten Sie Claude Code mit claude. Beginnen Sie klein, mit zehn bis zwanzig Notizen zu einem Thema. Bei uns kamen die ersten Inhalte per Copy und Paste in den Vault, weil am Anfang noch nichts angebunden war. Danach gehen Sie in drei Schritten vor.

  1. 01

    Eine Notiz erfassen.

    Sie schreiben in normalen Sätzen, was Claude tun soll, zum Beispiel: „Lege in der Inbox eine neue Notiz an. Inhalt: Angebot für Projekt X, Rückmeldung bis Freitag. Setze Kopfdaten und das heutige Datum.“ Vor Änderungen an Dateien fragt Claude je Schritt nach Ihrer Freigabe, oder Sie erlauben bestimmte Aktionen per Regel.

  2. 02

    Eine Frage stellen.

    Zum Beispiel: „Was ist bei Projekt X noch offen? Nenne die Quelle mit Datum.“ Claude durchsucht den Vault und antwortet aus Ihren Notizen.

  3. 03

    Die Antwort prüfen.

    Öffnen Sie die genannte Quelle in Obsidian und vergleichen Sie. Stimmt die Zusammenfassung mit der Notiz überein? Mit git diff sehen Sie, was Claude an den Dateien geändert hat.

Aus diesem Ablauf wird die Routine. Bei uns holt die KI morgens ein Briefing aus Kalender, Aufgaben und Mails zusammen und schreibt abends das Tagesprotokoll. Die erste Einrichtung hat bei mir knapp eine Woche gedauert.

Was mit der Größe wächst

Nach rund acht Monaten läuft unser Second Brain weiter sehr gut. Es umfasste am 19. Oktober 2026 1.246 Notizen. Mit dieser Größe wächst vor allem der Pflegeaufwand:

  • Pflege wird zur Arbeit.

    Im Oktober betrafen rund 16 Prozent der Einträge die Pflege des Systems selbst. Erledigt hat sie die KI, geprüft hat ein Mensch. Planen Sie die Pflege von Anfang an ein.

  • Agenten übernehmen die Pflege.

    Wächst das System, bauen Sie Agenten, die diese Arbeit wieder abnehmen. Bei uns prüft ein Agent die Notizen auf Widersprüche und Dubletten.

Wo das private Second Brain aufhört

Für eine Person trägt dieser Aufbau. Sie sind die einzige Leserin oder der einzige Leser, Claude darf alles sehen, und es gibt nichts zu regeln.

Sobald ein Team mit demselben Vault arbeitet, reicht ein Ordner nicht mehr. Früher schützte die Unordnung manches Dokument: Wer eine Datei nicht fand, las sie auch nicht. Eine KI erschließt dagegen alles, was sie lesen darf. Das Finden ist kaum noch das Problem, offen bleibt, wer welche Information bekommen darf. Es ist eine Berechtigungsfrage, keine Suchfrage.

Bei AllBytes hat deshalb jeder einen privaten Vault. Dazu kommen ein Firmen-Vault für alle und Projekt-Vaults nur für die Menschen, die an einem Projekt arbeiten. Wer welchen Vault lesen darf und wie wir Verweise vor dem Teilen prüfen, steht im Ratgeber Second Brain im Unternehmen. Für Claude Projekte in einem Team gilt, was im Abschnitt oben steht: Die Rechte gelten fürs ganze Projekt, eigene Rechte für einzelne Dateien nennt das Claude Help Center nicht. Soll Claude das Wissen auch selbst schreiben und aktuell halten, passt das Muster aus LLM Wiki erklärt.

FAQ

Häufige Fragen zu Obsidian, Claude Code und Daten

Reichen nicht Claude Projekte?

Für eine überschaubare Wissenssammlung reichen sie als Einstieg, sie laufen im Browser und brauchen keine Installation. In Team und Enterprise lassen sie sich teilen, mit „Kann ansehen“ und „Kann bearbeiten“ (Stand 3. November 2026, laut Claude Help Center). Die Rechte gelten für das ganze Projekt. Soll die KI das Wissen selbst pflegen, Mail, Kalender und Aufgaben einbeziehen und in Routinen arbeiten, ist Claude Code mit Ordnern der passendere Weg. Wir arbeiten so, Claude Projekte nutzen wir praktisch nicht. Der Vergleich steht im Abschnitt „Claude Code oder Claude Projekte?“ oben.

Brauche ich Programmierkenntnisse für Claude Code?

Nein. Sie müssen ein Terminal öffnen, den Installationsbefehl einfügen und claude starten können. Danach steuern Sie Claude in normalen Sätzen, wie in den Beispielen oben. Anthropic erklärt in einer Terminal-Anleitung, wie man ein Terminal öffnet.

Was kostet Claude Code?

Obsidian ist kostenlos. Für Claude Code brauchen Sie ein kostenpflichtiges Claude-Abo ab Pro, ein Team- oder Enterprise-Konto oder ein Konto in der Claude Console mit API-Guthaben. Im kostenlosen Plan ist es nicht enthalten. Die aktuellen Preise prüfen Sie bitte direkt bei Anthropic.

Bleiben meine Daten lokal?

Die Dateien Ihres Vaults liegen auf Ihrem Rechner. Claude Code läuft lokal, schickt aber Ihre Eingaben und die Antworten über das Netz an Anthropic, und alles, was Claude in Ihrem Vault liest, geht an den Anbieter des Sprachmodells. Ob Anthropic damit Modelle trainiert, hängt laut Anthropic vom Zugang ab: Bei Team, Enterprise und API-Zugang nicht, bei Free, Pro, Max und Ultra gilt die Einstellung in Ihrem Konto (Stand 3. November 2026, Datennutzung bei Claude Code). Halten Sie personenbezogene Daten und Vertrauliches aus den Bereichen heraus, die Claude lesen darf. Eine rechtliche Bewertung ersetzt das nicht. Mehr zum Thema steht im Beitrag zu DSGVO-konformer KI.

Wie verbinde ich Claude mit Obsidian?

Ein eigenes Plug-in ist dafür nicht nötig. Claude Code arbeitet mit den Dateien eines Ordners, und ein Obsidian-Vault ist ein solcher Ordner. Öffnen Sie das Terminal im Vault-Ordner und starten Sie claude, dann liest Claude Ihre Notizen und die Regeldatei CLAUDE.md direkt. Obsidian können Sie parallel geöffnet lassen und sehen die Änderungen sofort. Die Einrichtung steht in Schritt 1 bis 3 oben.

Brauche ich Obsidian für ein Second Brain mit Claude?

Nein. Markdown-Dateien in einem Ordner kann Claude auch ohne Obsidian lesen. Ich nutze Obsidian trotzdem, weil ich gern selbst in meinen Notizen stöbere.

Ihr nächster Schritt

Ein Second Brain für Ihr Unternehmen lohnt sich, wenn Wissen in Postfächern und Köpfen liegt und Ihre KI bei jeder Aufgabe von vorn anfängt. Im Erstgespräch klären wir, wo ein sinnvoller Anfang liegt, wer welche Notizen lesen soll und welche Regeln Ihre KI braucht.

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Daniel Leuverink – Geschäftsführer AllBytes GmbH
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